Von Dr.-Ing. Henning Rosenfeld Fachlich geprüft Aktualisiert am 21.08.2026

Vorweg

Diese Seite erklärt einen Denkansatz und einen Forschungsstand. Sie enthält keine Aussage darüber, was ein Erzeugnis bewirkt – weder unseres noch das eines anderen Anbieters. Das ist keine Zurückhaltung aus Höflichkeit, sondern die Rechtslage. Am Ende steht ein eigener Abschnitt, der ausdrücklich festhält, was hier nicht behauptet wurde.

Die Regel, die für alle gilt

Wer im Regal steht und ein Nahrungsergänzungsmittel mit Bakterienkulturen oder Pflanzenstoffen in der Hand hält, liest darauf erstaunlich wenig. Das ist kein Zufall und kein Zeichen für ein schwaches Erzeugnis.

In der Europäischen Union dürfen gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel nur verwendet werden, wenn sie zugelassen sind. Die Zulassung erfolgt in einem Verfahren, in dem geprüft wird, ob der behauptete Zusammenhang belegt ist. Was dieses Verfahren nicht durchlaufen hat, darf nicht gesagt werden – auch dann nicht, wenn es stimmen sollte.

Für Bakterienkulturen führt die Unionsliste bis heute keine einzige zugelassene Angabe. Für Polyphenole ebenso wenig. Und weil der Begriff „Probiotikum" selbst als gesundheitsbezogene Angabe gilt, findet er sich auf deutschen Verpackungen kaum – warum das so ist, haben wir gesondert aufgeschrieben.

Das betrifft jeden Anbieter in diesem Markt gleichermaßen. Wer mehr verspricht, hat nicht das bessere Erzeugnis, sondern die riskantere Rechtsauffassung.

Wie die Branche damit umgeht

Es gibt drei eingeübte Wege, mit dieser Lage umzugehen. Man findet sie bei fast allen größeren Anbietern, und wir verwenden zwei davon selbst.

Die Überschrift wird zur Stimmung

„Für dein gutes Bauchgefühl", „Wohlbefinden von innen". Solche Formulierungen sind keine gesundheitsbezogenen Angaben im Sinne der Verordnung, weil sie keinen konkreten Zusammenhang behaupten. Sie sagen deshalb auch nichts – und genau das macht sie zulässig.

Der Claim hängt am Trägernährstoff

Für Vitamine und Mineralstoffe existieren zugelassene Angaben. Wer einem Erzeugnis mit Bakterienkulturen ein Vitamin zusetzt, darf die dafür zugelassene Angabe verwenden – mit einem Sternchen, das auf den Nährstoff verweist. Das ist völlig legal, und wir machen es ebenfalls.

Die Lücke wird erklärt

Manche Anbieter schreiben offen, dass fehlende Angaben nicht bedeuten, ein Inhaltsstoff sei unwichtig – sondern dass dazu keine geprüften Aussagen erlaubt sind. Das halten wir für den anständigsten der drei Wege, und es ist der, an dem wir uns orientieren.

Uns fällt es leichter, das so hinzuschreiben, als es klingt: Wir haben in diesem Markt wenig zu verlieren und sind zu klein, um mit Wohlfühlsprache aufzufallen. Ehrlichkeit ist hier auch eine Frage der Ausgangslage.

Was sich überhaupt vergleichen lässt

Wenn niemand über Wirkung sprechen darf, bleibt die Frage, woran ein Käufer dann überhaupt etwas festmachen soll. Die Antwort: an Eigenschaften, die nachprüfbar sind und keine Angaben darstellen.

Wir listen unsere Erzeugnisse auf dieser Seite bewusst nicht auf und stellen sie niemandem gegenüber. Wer sie ansehen möchte, findet sie im Shop unter bonaval.shop.

Die Überlegung

Der Gedanke dahinter

Jetzt zum schwierigen Teil – dem, wegen dessen diese Seite überhaupt existiert.

Die verbreitete Vorstellung von Nahrungsergänzung lautet: Ein Stoff geht hinein, im Körper geschieht damit etwas, und bei allen Menschen geschieht ungefähr dasselbe. Für Vitamine ist das eine brauchbare Näherung. Für Pflanzenstoffe, die den Dickdarm erreichen, ist es nachweislich falsch.

Das am besten untersuchte Beispiel sind Ellagitannine aus Granatapfel, Walnuss und einigen Beeren. Sie überstehen den Dünndarm weitgehend unverändert und werden erst im Dickdarm von Bakterien umgebaut – zu Verbindungen, die Urolithine heißen und deutlich besser aufgenommen werden als ihre Ausgangsstoffe.

Der entscheidende Befund: Nicht jeder Mensch kann diesen Umbau leisten. Ob und in welchem Umfang er stattfindet, hängt davon ab, welche Bakterien im Dickdarm vorhanden sind. Zwei Menschen essen denselben Granatapfel; bei dem einen entsteht etwas, bei dem anderen nicht.

Derselbe Stoff, dasselbe Essen – und trotzdem ein anderes Ergebnis, je nachdem, wer im Dickdarm sitzt.
Der Befund, aus dem sich unsere ganze Fragestellung ableitet

Für die Forschung ist das eine unbequeme Erkenntnis. Sie erklärt, warum Untersuchungen zu Pflanzenstoffen so oft widersprüchliche Ergebnisse liefern: Wenn ein Teil der Teilnehmer den entscheidenden Umbauschritt gar nicht leisten kann, verwischt sich im Mittelwert, was bei den übrigen womöglich stattfand.

Die Schlussfolgerung

Warum wir ihn für aussichtsreich halten

Aus diesem Befund ziehen wir zwei Schlüsse. Beide sind Überlegungen, keine Ergebnisse – wir schreiben sie hier auf, damit nachvollziehbar ist, woran wir arbeiten.

Erstens: Ankommen ist die halbe Miete

Wenn im Dickdarm etwas geschehen soll, muss dort erst einmal etwas ankommen. Viele Pflanzenstoffe sind empfindlich gegenüber Magensäure, Sauerstoff und Licht. Eine Verkapselung, die den Magen übersteht, ist deshalb keine Kosmetik, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Frage nach dem Umbau überhaupt sinnvoll wird. Wie das technisch aussieht, steht auf der Forschungsseite.

Zweitens: Auswahl statt Menge

Wenn unterschiedliche Gruppen im Dickdarm unterschiedliches Material verwerten, dann ist die Frage nicht, wie viel man hineingibt, sondern was. Genau das meint der Ausdruck Präzisionspräbiotikum: den Anspruch, gezielt Material für bestimmte Gruppen bereitzustellen statt beliebiges für alle. Der Begriff ist ein Anspruch, kein Nachweis – ihn zu verwenden sagt über das Ergebnis nichts aus.

Diese beiden Überlegungen sind der Grund, weshalb hier ein Ingenieur mit phytochemischem Schwerpunkt an Verkapselung arbeitet und nicht ein Einkäufer an Rezepturen aus dem Katalog. Ob daraus am Ende ein messbarer Unterschied wird, ist damit nicht gesagt. Es ist die Frage, an der gearbeitet wird.

Wo der Gedanke aufhört

Ein ehrlicher Standpunkt braucht die Gegenrede mit. Drei Einwände halten wir für berechtigt:

Zum Mitschreiben

Was hier nicht behauptet wurde

Weil diese Seite an einer heiklen Stelle steht, sagen wir zum Schluss ausdrücklich, was in keinem der obigen Absätze steht:

Was hier steht, ist ein Forschungsstand und eine Überlegung. Wir halten sie für tragfähig genug, um daran zu arbeiten, und nicht für belegt genug, um daraus ein Versprechen zu machen. Sollte sich das ändern, ändern wir diesen Text.

Dieser Text beschreibt einen Forschungsstand, einen rechtlichen Rahmen und einen unternehmerischen Standpunkt. Er ist keine medizinische Beratung, keine Aussage über die Wirkung eines Erzeugnisses und nicht zur Selbstdiagnose geeignet. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung der richtige Weg.

Quellen

  1. Espín JC, Larrosa M, García-Conesa MT, Tomás-Barberán F: Biological Significance of Urolithins, the Gut Microbial Ellagic Acid-Derived Metabolites – The Evidence So Far. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013 — ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3679724/
  2. Gibson GR et al.: ISAPP consensus statement on the definition and scope of prebiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology 14: 491–502, 2017 — nature.com/articles/nrgastro.2017.75
  3. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel (Health-Claims-Verordnung) — eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32006R1924
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste der zulässigen anderen gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel — eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32012R0432

Häufig gefragt

Fragen und Antworten

Warum steht auf Verpackungen von Nahrungsergänzungsmitteln so wenig?

Weil gesundheitsbezogene Angaben in der Europäischen Union nur verwendet werden dürfen, wenn sie zugelassen sind. Für Bakterienkulturen und für Polyphenole führt die Unionsliste bis heute keine einzige zugelassene Angabe. Das betrifft alle Anbieter gleichermaßen – es ist keine Frage der Qualität, sondern der Rechtslage.

Wie machen andere Anbieter das dann?

Meist über drei Wege: Die Überschrift wird mit Wohlfühlsprache besetzt, die keine Angabe ist. Der eigentliche Claim hängt an einem zugesetzten Nährstoff, für den eine Zulassung existiert – häufig ein Vitamin. Und manche erklären die Lücke offen, statt sie zu umgehen. Wir verwenden den zweiten und den dritten Weg ebenfalls.

Was ist ein Präzisionspräbiotikum?

Ein Anspruch, kein zugelassener Begriff. Gemeint ist der Ansatz, nicht irgendein verwertbares Material bereitzustellen, sondern eines, das gezielt von bestimmten Gruppen im Dickdarm genutzt werden kann. Ob das im Einzelfall gelingt, ist Gegenstand der Untersuchung – der Name allein sagt darüber nichts aus.

Warum sagt BONAVAL nicht, was seine Erzeugnisse bewirken?

Weil es dafür keine zugelassene Angabe gibt und wir nichts behaupten wollen, was nicht geprüft ist. Wir beschreiben stattdessen, was wir untersuchen und warum wir den Ansatz für aussichtsreich halten. Das ist unbequemer und liest sich weniger griffig – es hat nur den Vorzug, dass es hinterher noch stimmt.

Ist der Ansatz denn belegt?

Der zugrunde liegende Mechanismus ist beschrieben: dass Menschen dieselben Pflanzenstoffe unterschiedlich umbauen, je nachdem, welche Bakterien sie im Dickdarm haben, ist in der Forschung gut dokumentiert. Dass sich daraus ein Vorteil für ein bestimmtes Erzeugnis ableiten ließe, ist damit nicht gesagt. Es ist eine Arbeitshypothese, an der gearbeitet wird.

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