über 10.000

beschriebene Polyphenol-Verbindungen

Eine Stoffgruppe, keine einzelne Substanz

Phyto + Phorese

Pflanze und Transport

Der Name beschreibt das Prinzip, nicht eine Wirkung

keine

zugelassenen Angaben für Polyphenole

Stand der Unionsliste — deshalb sagen wir, was untersucht wird

Von Dr.-Ing. Henning Rosenfeld Fachlich geprüft Aktualisiert am 21.08.2026

Das Problem der Freisetzung

Viele Pflanzenstoffe sind empfindlich. Sie reagieren auf Magensäure, Sauerstoff und Licht. Wer sie in den Dickdarm bringen will, muss sie schützen, bis sie dort ankommen.

Phyto steht für Pflanze, Phorese für Transport. Dahinter steht der Ansatz, eine Verkapselung zu verwenden, die den Magen unbeschadet passiert und den Inhalt erst weiter hinten freigibt.

Die vier Gruppen

„Polyphenole" ist ein Sammelbegriff für über zehntausend beschriebene Verbindungen. Wer damit arbeitet, unterscheidet üblicherweise vier Gruppen:

Diese Einteilung ist mehr als Systematik. Die Gruppen unterscheiden sich erheblich darin, wie stabil sie sind, ob sie im Dünndarm aufgenommen werden und was im Dickdarm mit ihnen geschieht. Eine Aussage über „Polyphenole" pauschal ist deshalb fast immer zu grob.

Was auf dem Weg passiert

Aufnahme

Die Kapsel wird geschluckt und erreicht wie jede andere Speise zunächst den Magen.

Der Magen

Hier scheitert die Sache üblicherweise: Magensäure und Enzyme greifen an, was empfindlich ist. Die Verkapselung soll genau diese Strecke überstehen.

Der Dünndarm

Aufgenommen wird, was der Körper direkt verwerten kann. Ein erheblicher Teil der Polyphenole gehört nicht dazu und bleibt im Darminhalt.

Der Dickdarm

Dort treffen die Stoffe auf die Bakteriengemeinschaft. Was dabei geschieht und welche Umbauprodukte entstehen, ist Gegenstand laufender Forschung.

Der interessante Teil

Was die Bakterien damit machen

Dass Polyphenole den Dickdarm überwiegend unverändert erreichen, klang lange nach einem Nachteil: Was nicht aufgenommen wird, so die Annahme, könne auch nichts bewirken. Diese Sicht hat sich verschoben – weil dort unten etwas passiert.

Das am besten untersuchte Beispiel sind Ellagitannine, wie sie in Granatapfel, Walnüssen und einigen Beeren vorkommen. Sie überstehen die Verdauung im Dünndarm weitgehend und werden erst im Dickdarm von Bakterien umgebaut – zu Verbindungen, die Urolithine heißen. Diese sind kleiner, werden deutlich besser aufgenommen als ihre Ausgangsstoffe und lassen sich anschließend im Blut nachweisen.

Der bemerkenswerte Teil kommt jetzt: Nicht jeder Mensch bildet Urolithine. Ob und in welchem Umfang der Umbau stattfindet, hängt davon ab, welche Bakterien im Dickdarm überhaupt vorhanden sind. Zwei Menschen können dieselbe Menge Granatapfel essen, und bei dem einen entsteht etwas, bei dem anderen nicht.

Derselbe Stoff, dasselbe Essen – und trotzdem ein anderes Ergebnis, je nachdem, wer im Dickdarm sitzt.
Der Grund, weshalb Durchschnittswerte in diesem Feld wenig taugen

Für die Forschung ist das eine unbequeme Erkenntnis: Sie erklärt, warum Untersuchungen zu Polyphenolen so oft widersprüchliche Ergebnisse liefern. Wenn die Hälfte der Teilnehmer den entscheidenden Umbauschritt gar nicht leisten kann, verwischt sich im Mittelwert, was bei der anderen Hälfte womöglich stattfand.

Wechselwirkung

Eine Straße in beide Richtungen

Der Umbau ist nur die eine Richtung. Beschrieben ist auch die andere: Polyphenole wirken ihrerseits auf die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft ein. Manche Gruppen kommen mit ihnen besser zurecht als andere.

Damit sind Polyphenole nicht nur Material, das umgebaut wird, sondern zugleich ein Einflussfaktor auf die Gemeinschaft, die sie umbaut. Genau diese Doppelrolle macht sie für die Präbiotika-Diskussion interessant: Die Fachdefinition von 2017 verlangt einen Ausgangsstoff, der gezielt von bestimmten Mikroorganismen genutzt wird – und sie ist ausdrücklich offen für Stoffe, die keine Kohlenhydrate sind.

Ob ein bestimmtes Polyphenol diese Bedingung im Einzelfall erfüllt, ist damit nicht gesagt. Es ist die Frage, an der gearbeitet wird.

Wie eine Verkapselung arbeitet

Der Gedanke ist alt und aus der Arzneimittelherstellung bekannt: Eine Hülle, die im Magen dicht bleibt und sich erst weiter hinten öffnet. Ausgenutzt wird dabei, dass sich die Bedingungen entlang des Verdauungstrakts deutlich unterscheiden – der Magen ist stark sauer, der Dünndarm nicht.

Eine Hülle, die bei niedrigem pH-Wert stabil bleibt und sich bei höherem auflöst, übersteht den Magen und gibt ihren Inhalt erst danach frei. In der Fachsprache heißt das magensaftresistent.

Die Anforderungen an ein solches Verfahren sind allerdings unangenehm konkret: Die Hülle muss dicht genug sein, um zu schützen, und durchlässig genug, um sich zur richtigen Zeit zu öffnen. Sie muss den Inhalt bei Lagerung stabil halten. Und sie darf ihn nicht selbst verändern. Ob das im Einzelfall gelingt, entscheidet die Prüfung – nicht der Name des Verfahrens.

Zwei behandschuhte Hände halten eine Petrischale mit einer grünen Pflanze
              vor eine Person im Laborkittel.
Symbolbild

Die Stoffgruppe

Wo Polyphenole vorkommen

Sie geben Zitrusfrüchten, Kamille, Beeren und Tee ihre Farbe und ihren Geschmack. Auch die Bitterkeit vieler Pflanzen geht auf sie zurück – aus Sicht der Pflanze sind sie unter anderem Schutzstoffe.

Ein erheblicher Teil davon wird im Dünndarm nicht aufgenommen und erreicht deshalb den Dickdarm – genau dort, wo die Bakteriengemeinschaft sitzt.

Zur Ernährung

In eigener Sache

Ehrlich zum Forschungsstand

Für Polyphenole und für Bakterienkulturen gibt es derzeit keine von der Europäischen Union zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Das heißt nicht, dass die Forschung nichts fände – es heißt, dass keine geprüfte Aussage vorliegt, die wir verwenden dürften.

Der Weg zu einer zugelassenen Angabe führt über ein Verfahren, in dem die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit prüft, ob der behauptete Zusammenhang belegt ist. Für die genannten Stoffgruppen ist bisher keine Angabe durch dieses Verfahren gekommen.

Wir sagen deshalb, was untersucht wird, statt etwas zu versprechen. Das ist unbequemer und liest sich weniger griffig. Es ist aber der einzige Weg, auf dem am Ende noch stimmt, was hier steht.

Verantwortung

Wer dahintersteht

Die Rezepturen verantwortet Dr.-Ing. Henning Rosenfeld, Ingenieur mit phytochemischem Schwerpunkt und Mitgründer des Unternehmens. Entwicklung und Herstellung finden in Deutschland statt.

Wir wollen nicht noch ein Nahrungsergänzungsmittel entwickeln, sondern verstehen, was im Dickdarm tatsächlich ankommt.
Dr.-Ing. Henning Rosenfeld, Mitgründer

Warum wir es so machen Über das Unternehmen

Dieser Text beschreibt Stoffgruppen, Verfahren und den Stand der Forschung. Er ist keine medizinische Beratung, keine Aussage über die Wirkung eines Erzeugnisses und nicht zur Selbstdiagnose geeignet.

Quellen

  1. Gibson GR et al.: Expert consensus document – ISAPP consensus statement on the definition and scope of prebiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology 14: 491–502, 2017 — nature.com/articles/nrgastro.2017.75
  2. Espín JC, Larrosa M, García-Conesa MT, Tomás-Barberán F: Biological Significance of Urolithins, the Gut Microbial Ellagic Acid-Derived Metabolites – The Evidence So Far. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013 — ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3679724/
  3. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel (Health-Claims-Verordnung) — eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32006R1924
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Liste der zulässigen anderen gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel — eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32012R0432

Häufig gefragt

Fragen und Antworten

Was sind Polyphenole?

Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe. Sie geben Zitrusfrüchten, Kamille, Beeren und Tee ihre Farbe, ihren Geschmack und ihre Bitterkeit. Über zehntausend Verbindungen dieser Gruppe sind beschrieben – es ist also keine einzelne Substanz, sondern eine sehr große Stoffgruppe mit mehreren Untergruppen.

Welche Gruppen von Polyphenolen gibt es?

Die gebräuchlichste Einteilung unterscheidet vier: Flavonoide, die mit Abstand größte Gruppe, dazu Phenolsäuren, Stilbene und Lignane. Innerhalb der Flavonoide gibt es weitere Untergruppen wie Flavanole, Flavonole und Anthocyane.

Was bedeutet Phytophorese?

Phyto steht für Pflanze, Phorese für Transport. Gemeint ist der Ansatz, Pflanzenstoffe so zu verkapseln, dass sie den Magen unbeschadet passieren und erst weiter hinten im Verdauungstrakt freigesetzt werden. Der Begriff beschreibt ein Prinzip, keine Wirkung.

Warum überstehen Pflanzenstoffe den Magen oft nicht?

Viele Pflanzenstoffe reagieren empfindlich auf Magensäure, Sauerstoff und Licht. Wer sie in den Dickdarm bringen will, muss sie auf dem Weg dorthin schützen – sonst sind sie verändert, bevor sie ankommen.

Was machen Darmbakterien mit Polyphenolen?

Sie bauen sie um. Das bekannteste Beispiel sind Ellagitannine aus Granatapfel, Walnuss und Beeren: Sie überstehen den Dünndarm weitgehend unverändert und werden erst im Dickdarm von Bakterien zu Urolithinen umgewandelt. Bemerkenswert daran ist, dass nicht jeder Mensch das kann – es hängt davon ab, ob die entsprechenden Bakterien vorhanden sind.

Warum gibt es keine zugelassenen Angaben für Polyphenole?

Für Polyphenole und für Bakterienkulturen führt die Europäische Union derzeit keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Das heißt nicht, dass die Forschung nichts fände – es heißt, dass keine geprüfte Aussage vorliegt, die ein Anbieter verwenden dürfte. Deshalb steht hier, was untersucht wird, und nicht, was etwas bewirkt.

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